Mehr Bock auf Demokratie – Politische Bildung in der Schule

Wie gelingt es, junge Menschen für die Demokratie zu begeistern? Wie viel politische Haltung ist im Klassenzimmer erlaubt? Und wo verläuft die Grenze der Neutralität?

Mit diesen Fragen hat die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Bayerischen Landtag am 22. Juni 2026 zur Veranstaltung „Mehr Bock auf Demokratie: Politische Bildung in der Schule“ eingeladen.

Neutralität ist kein Schweigegebot

Den inhaltlichen Auftakt machte Dr. Gero Kellermann von der Akademie für Politische Bildung in Tutzing mit einem Impulsvortrag zum Thema „Neutralitätsgebot versus politische Haltung: Was dürfen Lehrkräfte?“

Seine zentrale Botschaft: Schule darf gegenüber den Grundwerten unserer Demokratie nicht neutral sein. Das Grundgesetz beruht auf Pluralität, Freiheit und demokratischer Mitwirkung. Diese Grundlagen müssen auch in der Schule vermittelt und eingeübt werden.

Politische Bildung bedeutet deshalb nicht nur, über Demokratie zu sprechen. Sie bedeutet auch, Demokratie im Schulalltag erfahrbar zu machen. Schülerinnen und Schüler müssen lernen, sich einzubringen, Verantwortung zu übernehmen und demokratische Prozesse aktiv mitzugestalten.

Im Anschluss diskutierten Expert*innen aus Wissenschaft, Schule, Verwaltung und Praxis darüber, wie Partizipation und Demokratiebildung an bayerischen Schulen gestärkt werden können.

Auf dem Podium waren Prof. Dr. Markus Gloe vom Geschwister Scholl Institut für Politikwissenschaft der LMU München, Dr. Gero Kellermann von der Akademie für Politische Bildung in Tutzing, Florian Kraus, Stadtschulrat und Leiter des Referats für Bildung und Sport der Landeshauptstadt München, David Richter von der Stadtschüler*innenvertretung München und aus dem Vorstand des Münchner Hauses der Schüler*innen, Dr. Fritz Schäffer vom BLLV sowie Gabriele Triebel, MdL, stellvertretende Vorsitzende des Bildungsausschusses und bildungspolitische Sprecherin der Grünen Landtagsfraktion, die die Diskussion moderierte.

Zentrale Ergebnisse des Abends

Ein wichtiger Punkt der Diskussion war die Rückendeckung für Lehrkräfte. Die Stadt München unterstützt Lehrkräfte an städtischen Schulen bereits mit einer Handreichung. Sie soll Sicherheit geben, wie Lehrkräfte für die demokratische Grundordnung eintreten können, ohne durch falsche Vorwürfe eines vermeintlichen Verstoßes gegen das Neutralitätsgebot verunsichert zu werden. Konkrete Beispiele helfen dabei, Handlungssicherheit im Schulalltag zu schaffen.

Zusätzlich gibt es in München eine Meldestelle, an die sich Mitglieder der Schulgemeinschaft bei Vorfällen von Diskriminierung, Antisemitismus oder rechtem Hass wenden können. Genau solche Strukturen fehlen vielen Lehrkräften und Schulen im Freistaat.

Deutlich wurde auch: Für aktuelle politische Themen bleibt im Schulalltag oft zu wenig Raum. Enge Lehrpläne, viel Stoff und hoher Prüfungsdruck lassen Demokratiebildung häufig in den Hintergrund treten. Überfachliche Bildungsziele wie Demokratiepädagogik stehen zwar in den Präambeln, im Alltag dominieren aber oft Stofffülle und Leistungserhebungen.

Ein weiterer Schwerpunkt war die Frage, wie viel Mitbestimmung Schülerinnen und Schüler tatsächlich erleben. Demokratie darf nicht an der Schultür enden. Wer in der Schule erfährt, dass die eigene Stimme zählt und das eigene Handeln etwas bewirken kann, entwickelt eher Vertrauen in demokratische Prozesse und Institutionen. Ohne dieses Erleben von Selbstwirksamkeit bleibt Demokratie zu abstrakt.

Das Münchner Haus der Schüler*innen zeigte, wie gelebte Demokratie aussehen kann: als Ort, an dem junge Menschen eigenständig Themen setzen, Verantwortung übernehmen und demokratische Beteiligung praktisch erfahren.

Auch Medienbildung spielte eine zentrale Rolle. Verbote allein reichen nicht aus, um Desinformation, Manipulation und den Herausforderungen durch Künstliche Intelligenz zu begegnen. Notwendig ist eine präventive politische Medienbildung, die Schülerinnen und Schüler früh stärkt. Dazu gehört auch sogenanntes Prebunking, also das vorbeugende Erkennen von Manipulationstechniken, bevor Desinformation verfängt.

Klar wurde außerdem: Lehrkräftebildung ist der entscheidende Hebel. Gute Konzepte bleiben wirkungslos, wenn Lehrkräfte nicht ausreichend vorbereitet und unterstützt werden. Deshalb sind verbindliche Module zur Politischen Bildung in allen pädagogischen Ausbildungen notwendig.

Unsere Forderungen

Als Grüne Landtagsfraktion setzen wir uns dafür ein, Politische Bildung ab Klasse 5 an allen Schularten mindestens zweistündig zu verankern. Klassenrat und Schüler*innenparlamente müssen gesetzlich gestärkt werden. Schülerinnen und Schüler brauchen echte Mitbestimmungsrechte. Politische Bildung muss verbindlicher Bestandteil aller pädagogischen Ausbildungen werden. Politische Medienbildung gehört fest und präventiv in den Unterricht. Außerdem sind Meldestellen für Mitglieder der Schulgemeinschaft bei Diskriminierung, Antisemitismus und rechtem Hass unbedingt erforderlich.

Der Abend hat gezeigt: Gute Beispiele gibt es bereits. Jetzt kommt es darauf an, daraus verbindliche Standards für ganz Bayern zu machen.